23.06.2026

Spanien, Deutschland und der Globale Süden: hin zu strategischeren, transparenteren und ausgewogeneren Allianzen

FES Madrid und das Real Instituto Elcano brachten Expert*innen und institutionelle Vertreter*innen zusammen, um darüber zu debattieren, wie Spanien, Deutschland und die Europäische Union ihre Beziehungen zum Globalen Süden aus einer Perspektive neu konfigurieren können, die über die Entwicklungszusammenarbeit hinausgeht.

Am vergangenen 9. Juni organisierte das spanische Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) gemeinsam mit dem Real Instituto Elcano eine Dialogsitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur Neukonfiguration der Beziehungen Deutschlands, Spaniens und der Europäischen Union zum Globalen Süden.

 

Das Treffen brachte Vertreter*innen aus dem institutionellen, akademischen und internationalen Kooperationsbereich zusammen, um darüber nachzudenken, wie Europa in einem zunehmend fragmentierten internationalen Kontext strategischere, ausgewogenere und nachhaltigere Verbindungen mit Partnern in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik aufbauen kann.

Ausgangspunkt des Gesprächs waren zwei aktuelle Berichte:A Changing World – Germany and the Global South, initiiert von der Global Perspectives Initiative, und Hacia una reconfiguración de las relaciones con el sur global, veröffentlicht vom Real Instituto Elcano. Obwohl beide Arbeiten auf unterschiedliche Prozesse reagieren, stimmen sie in einer zentralen Idee überein: Der Globale Süden kann weder als homogener Block noch als ein Raum verstanden werden, der ausschließlich durch Armut, Abhängigkeit oder Konfrontation mit dem Westen definiert ist.

Während der Sitzung wurde die Notwendigkeit betont, vereinfachende und eurozentrische Sichtweisen zu überwinden. Der Globale Süden umfasst sehr unterschiedliche politische, wirtschaftliche und soziale Realitäten, mit wachsendem Gewicht in der Weltwirtschaft, in Wertschöpfungsketten, auf internationalen Märkten, in technologischer Innovation und in multilateraler Governance. Deshalb können Europas Beziehungen zu diesen Ländern nicht weiterhin ausschließlich in der traditionellen Logik der Entwicklungszusammenarbeit verortet werden.

Eine der wichtigsten Botschaften der Debatte war, dass Allianzen mit dem Globalen Süden aus einer breiteren außenpolitischen Perspektive angegangen werden müssen. Handel, Investitionen, Wissenschaft, Technologie, Migration, Sicherheit, Verteidigung, Entwicklungsfinanzierung und Klimaschutzmaßnahmen sind bereits Teil derselben Diskussion über gemeinsame Interessen, Interdependenzen und globale öffentliche Güter.

Auch wurde die Bedeutung hervorgehoben, klarer über europäische Interessen zu sprechen. Um wirklich gegenseitig vorteilhafte Partnerschaften aufzubauen, muss Europa transparent über seine Prioritäten sein, während es zugleich die Erwartungen seiner Partner anhört und anerkennt. Solidarität bleibt ein grundlegendes Prinzip, reicht aber für sich allein nicht aus, um dauerhafte Beziehungen in einem Kontext geopolitischer Konkurrenz, budgetärer Einschränkungen und der Transformation der internationalen Ordnung zu tragen.

In diesem Sinne diente das Bild der „Zwiebel der Interessen“ dazu, die Komplexität der Debatte zu veranschaulichen: von Solidarität und Kooperation bis hin zu Lieferketten, Zugang zu Rohstoffen, Anziehung von Talenten, Öffnung von Märkten, Innovation und Verteidigung einer funktionsfähigen internationalen Ordnung. Zu dieser Reflexion kam die Notwendigkeit hinzu, auch ein ehrliches Gespräch über Werte, gemeinsame Prinzipien und gemeinsame rote Linien zu eröffnen.

Das Treffen machte deutlich, dass Spanien, Deutschland und die Europäische Union über komplementäre Erfahrungen, Fähigkeiten und Perspektiven verfügen, um zu einer reiferen Beziehung mit dem Globalen Süden voranzuschreiten. Dafür wird es notwendig sein, die europäische Koordination zu stärken, multilaterale Räume besser zu nutzen, Vertrauen aufzubauen und paternalistische oder ausschließlich auf der Logik von Geber und Empfänger basierende Ansätze hinter sich zu lassen.

Von der Friedrich-Ebert-Stiftung Madrid aus werden wir weiterhin Dialogräume zwischen Spanien, Deutschland und Europa fördern, um die Grundlagen der internationalen Zusammenarbeit, der Außenpolitik und globaler Allianzen in einer Welt im Wandel neu zu denken.

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